Projektinformation P26-6399


Samuel Binder: „Ich möchte auch von meiner Freundschaft keinem raten, in die zweite Ehe sich zu begeben.“ (Publikation in der edition lex liszt 12)


Samuel Binder: „I would not advise anyone, even as a friend, to enter into a second marriage.“


In die zweite Ehe hat sich Samuel Binder (1858-1945) am 25. Februar 1886 begeben. Es wird, wie das Zitat offenbart, keine glückliche Ehe. Das Hochzeitsbild auf dem Cover zeigt ihn mit seiner geliebten ersten Ehefrau, die sehr jung im Alter von nur 26 Jahren stirbt. Ein Leben lang bewahrt Samuel Binder dieses Foto auf. Als Zeichen seiner Lebensliebe ist es erhalten geblieben. Erhalten geblieben sind weitere Aufzeichnungen: darunter ein dünnes Buch – ein als „Hofkarte“ bezeichnetes, den Landwirten vom NS-Regime oktroyiertes Wirtschaftsbuch. Die verpflichtenden Eintragungen werden für den alten Bauern aus Buchschachen zum Anlass, auf sein Leben zurückzublicken. Von 1938 bis 1945 schreibt er darin. Er ist bereits achtzig Jahre alt, als er mit den Aufzeichnungen beginnen muss, und er setzt sie bis kurz vor seinem Tod, am 13. Mai 1945, fort. Im Zentrum stehen Themen wie die im westungarischen Raum mehrfach wechselnde Amtssprache, Mortalität, Krankheit, Tod und weitere bewegende Ereignisse im Familienkreis. Im Laufe des langen Lebens von Samuel Binder kommt es zu zahlreichen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen. So spannt sein Leben einen großen Bogen vom endgültigen Absterben des Feudalismus mit der Beseitigung letzter Elemente der Leibeigenschaft bis hin zu den folgenschweren Umbrüchen, die die beiden Weltkriege mit sich bringen. In einem eigenen Kapitel werden die tragischen Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die den Lebensabend Samuel Binders prägen, auf lokaler Ebene aufgearbeitet. Die Hofkarte ist eine wertvolle historische Quelle, welche über den Urenkel Ewald Binder in den Besitz der Autorin gekommen ist. Die daraus entstandene Familiengeschichte soll einerseits die Situation einer südburgenländischen Bauernfamilie im Kontext der politisch-gesellschaftlichen Umbrüche des 19. und 20. Jahrhunderts näher beleuchten, anderseits latente diskriminierende Haltungen innerhalb der Dorfgemeinschaft sichtbar machen. Die Autorin lässt siebzehn Personen – mit Ausnahme des Verfassers selbst – zu diesem Zweck exemplarisch aus der Vergangenheit heraustreten. www.lexliszt12.at




Projektverantwortliche
Horvath Horst - edition lex liszt 12
Projektzeitraum
2026-01-01 bis 2026-12-31
Kategorie
Publikation
Region
Österreich
Status
Genehmigt