Die „lange Mitte“ des 20. Jahrhunderts. Kulturelle Brüche und Kontinuitäten 1930-1950 am Beispiel des österreichischen Radsports
The long mid-century. Continuities and Changes in Austrian Popular Culture.
Radrennsport war speziell in den 1940er und 1950er Jahren in Österreich ein „Volkssport“ mit einem hohen emotionalen kollektiven Aktivierungspotenzial. Er produzierte „Helden“ und transportierte Werte, die für eine politische Verwertung im Rahmen eines österreichischen Nation-building interessant wurden. Eindrucksvolle Beiträge dafür lieferten die ersten Österreich-Radrundfahrten nach 1945 („Tour d’ Autriche“) und vor allem zwei Personen, die ihre Popularität den Erfolgen in den Jahren von 1930 bis 1945 verdanken: Max Bulla und Franz „Ferry“ Dusika.
Das soziokulturelle Handlungsfeld Sport mit seinen inhärenten „Heldengeschichten“ eignet sich besonders gut, die Rezeption, Rollen und mediale Darstellung öffentlicher „Leitfiguren“ paradigmatisch zu untersuchen. Denn das Verständnis für das Funktionieren des Nationalsozialismus verlangt eine über politische, militärische und gesellschaftliche Aspekte hinaus gehende Beschreibung der Alltags- und Massenkulturen, die vor allem nicht 1945 endet, sondern gerade nach ihren Wirkungen in den Konstituierungsjahren der Zweiten Republik fragt, etwa inwieweit die vom Radsport produzierten, politisch verwertbaren Bedeutungen auf strukturellen, personellen und inhaltlichen Kontinuitäten mit der Zeit der NS-Herrschaft basierten.
Projektverantwortliche
Müllner Rudolf Dr. - Zentrum f. Sportwissenschaft d. Universität Wien