Abstract


UNERKANNTER WIDERSTAND – DENKWÜRDIGE BEISPIELE DES UNBLUTIGEN MARTYRIUMS


Während einer Gedenkveranstaltung zum Thema "Widerstand und Verfolgung im kirchlichen Milieu während der NS-Zeit" im November 2024 an der Theologischen Fakultät in Innsbruck kam ich mit dem Historiker Dr. Rudolf Leo (DÖW) ins Gespräch - wir beide hatten im Rahmen einer Podiumsdiskussion die jüngsten Ergebnisse unserer Widerstandsforschung präsentieren dürfen; ich mein Buch über die beiden Tiroler Jesuiten-Märtyrer Johann Schwingshackl (1887-1945) und Johann Steinmayr (1890-1944). Bei diesem längeren Gespräch über unsere Erfahrungen und Eindrücke bzgl. der Aufarbeitung des Widerstands im kirchlichen Milieu teilten wir den Eindruck, dass zwar aller/vieler Männer und Frauen sowie Priester und Ordensleute gedacht wurde - manche von ihnen erreichten sogar durch Anerkennung ihres Martyriums die Seligsprechung wie Pfarrer Otto Neururer (1882-1940), Provikar Carl Lampert (1894-1944), Pater Jakob Gapp (1897-1943) oder Schwester Maria Restituta Kafka (1894-1943) -, die unter dem Hakenkreuz ihr Leben ließen und damit als Bluts- oder Glaubenszeugen bzw. MärtyrerInnen gelten. Jedoch viele/die meisten von denen vergessen wurden, die zwar unter Verfolgung, Verhaftung, Folterung und anderen physischen wie psychischen Gewalttaten aufgrund ihres vehementen Widerstandes gegen das NS-Regime litten, aber nicht im KZ durch Krankheit oder Erschöpfung starben oder hingerichtet wurden. Aufgrund dieser gemeinsamen Beobachtung entschieden sich Dr. Leo und ich, ein Forschungsprojekt zu initiieren, das sich ausschließlich mit den Biografien dieser Beispiele des unblutigen Martyriums beschäftigt. Dazu nahmen wir Kontakt zu allen Diözesen, Ordensgemeinschaften, Kongregationen usw. in Österreich und Südtirol auf und baten um Namensnennung.

Dabei stießen wir allerdings auf einige Probleme, u. a. die überraschend große Zahl der Betroffenen, wodurch es uns unmöglich erschien, alle in eine Publikation aufzunehmen, zumal uns von Anfang an vorschwebte, eine ausführliche Darstellung ihres Lebens bzw. Überlebens/Weiterlebens zu bieten. Im Zuge etlicher Sitzungen zur Methodenfindung, dem Auswahlverfahren, der Vermittlungsweise usw. verständigten sich Dr. Leo und ich auf eine Publikation, die quasi den Anfang einer Buch-Reihe darstellt, die - so unsere Überzeugung - die Aufmerksamkeit der Widerstandforschung auf eine Personengruppe richtet, die zwar erkennbar groß, aber in der allgemeinen Wahrnehmung und durch die aktuelle wissenschaftliche Darstellung kaum berücksichtigt wird.

MARTIN KOLOZS

Projekt-ID
ProjektleiterIn
Leo Rudolf Mag.Dr.
Projekttitel
„Unerkannter Widerstand“ (Forschungsprojekt zu Ordensmitgliedern und Diözesanpriestern, die während des Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945 verfolgt wurden)

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