
Wenn in Österreich über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus gesprochen oder geschrieben wird, fallen meist dieselben Namen: die Geschwister Scholl aus München, der deutsche Offizier Claus Graf von Stauffenberg – und mitunter auch Schwester Restituta aus Wien. Dass es aber in der Steiermark bedeutende Widerstandsaktivitäten gegen das NS-Regime gegeben hat und dass hier zahlreiche Männer und Frau ihr Leben riskiert und vielfach auch verloren haben, ist den wenigsten bekannt.
Dieser Band rückt nun in 18 Einzel- und drei Doppelbiografien jene steirischen Widerstandskämpferinnen und -kämpfer ins Licht, deren Namen nicht fallen, wenn in den Medien über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus geschrieben wird. Das sind Frauen und Männer, wie beispielsweise Lisl Sinic, die bereits 1938 Flugblätter gegen die Nationalsozialisten verfasst und verteilt hat, in denen sie den Pogrom im November 1938 gegen die Juden in Graz verurteilte. Wenig später hatte eine Gruppe um Karl Drews und Herbert Eichholzer Flugblätter verfasst und darin über die Massenmorde an Behinderten „Am Feldhof“ in Graz bzw. „Am Steinhof“ in Wien informiert. Wiederum andere leisteten – nachdem sie auf Grund ihres Widerstands verhaftet worden waren – in den Konzentrationslagern weiter Widerstand, wie beispielsweise der Grazer Franz Jauk, der im KZ Dachau durch Sabotage der Messinstrumente die dort durchgeführten Menschenversuche stoppen konnte, oder wie die Leobnerin Anna Cadia, die im KZ Ravensbrück zahlreichen Frauen das Leben rettete oder Franz Leitner, der als Blockältester im KZ Buchwald hunderte jüdische Kinder rettete und dafür von Israel als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde. Andere kämpften bewaffnet in den Reihen der slowenischen und griechischen Partisanen, zu denen sie geflohen waren, gegen das NS-Regime, wie die Grazer Franz und Aurelia Mikusch oder August Pirker, oder sorgten dafür, wie der Grazer Ferdinand Kosmus oder der Donawitzer Sepp Filz, dass in den letzten Tagen des NS-Regimes die Brücken in Graz nicht gesprengt und in Donawitz die Industrieanlagen nicht noch sinnlos zerstört wurden.
All ihre Lebensgeschichten zeugen von Zivilcourage, Menschlichkeit und der Entschlossenheit, sich gegen das Unrecht aufzulehnen. Sie erfüllten damit auch jenen von den Alliierten auf der Moskauer Konferenz im November 1943 von den Österreicherinnen und Österreichern geforderten eigenen Beitrag zur Befreiung.
Frieda, Sepp, Lisl, Franz und all die anderen. Widerstandskämpferinnen und -kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Geb. 368 Seiten mit zahlr. Abb. (ISBN: 978-3-903425-27-9), CLIO: Graz 2026