»WIDERSTÄNDIGES SCHREIBEN - Lili Körber – Literatur, Politik und Exil« (Publikation im Mandelbaum Verlag)
»RESISTANT WRITING - Lili Körber – Literature, Politics and Exile«. the interdisciplinary essays explore the life and work of a committed intellectual, a resistance-minded journalist and an author in exile.
Die promovierte Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und politische Publizistin Lili Körber (1897–1982) wurde als Tochter einer österreichischen Kaufmannsfamilie in Moskau geboren und lebte später in Wien. Zusammen mit Anna Seghers und Johannes R. Becher nahm sie 1930 eine Einladung des Moskauer Staatsverlags zu einer Reise in die Sowjetunion an. Um die Arbeitsverhältnisse der Menschen kennenzulernen, arbeitete Körber mehrere Monate als Bohrerin in den Putilow-Traktorenwerken in Leningrad, einem Betrieb mit einer „bekannte[n] Geschichte revolutionären Widerstandes während der Zarenzeit“. Ihren Arbeitsalltag bezog sie in ihren Roman „Eine Frau erlebt den roten Alltag“ ein, der 1932 im Berliner Rowohlt-Verlag erschien. Der Roman „Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland“ von 1934 gehört zu den ersten gegen den Faschismus gerichteten Texten, die in der Übergangszeit zwischen dem Ende der Weimarer Republik und der Etablierung des NS-Staates entstanden. In ihm wird die ideologische Durchdringung der Gesellschaft prägnant beschrieben. In der Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums (Stand Oktober 1935) werden „Sämtliche Schriften“ von Lili Körber indiziert. Eine 1934 nach Japan und China unternommene Reise fand literarischen Ausdruck in mehreren Reisereportagen und im „Ein satyrischer Zeitroman“, eine 1936 in der Wiener Lesegilde erschienene Beobachtung des japanischen Faschismus, die auch als Hitler-Parodie lesbar ist.
Körber ließ sich auch durch die Verbrennung und das Verbot ihrer Bücher im Nationalsozialismus nicht davon abhalten, politisch zu publizieren. Kurz nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland floh Körber aus Wien über einen Zwischenstopp in Zürich nach Paris, wo sie für Schweizer Zeitungen und das Pariser Tageblatt schrieb. Noch ab April 1938 erschien in der sozialdemokratischen Zeitung Volksrecht in Zürich der Fortsetzungsroman „Eine Österreicherin erlebt den Anschluss“, in dem Körber unter dem Pseudonym Agnes Muth ihre Beobachtungen in der bereits bewährten Form eines Tagebuch-Romans verarbeitete. Schließlich emigrierten sie im Juni 1941 mit Unterstützung des Emergency Rescue Committee über Lissabon nach New York, wo sie als Fabrikarbeiterin und Krankenschwester tätig war. Ihre schriftstellerische Tätigkeit war nur noch stark eingeschränkt möglich. 1949 entstand ihr englischsprachiger Roman „Farewell to Yesterday“, der über Jahrzehnte unveröffentlicht blieb. In Deutschland und Österreich geriet Körber als Folge politischer Verfolgung, der Konfiszierung und Zerstörung ihrer Bücher und ihrer Emigration ins Vergessen.
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