Todesdatum: 15. Februar 2005 Todesort: Wien, Österreich
Otto Binder wurde 1910 in eine Wiener jüdische Familie geboren und wuchs mit einer älteren Schwester auf. Als er fünf Jahre alt war, verstarb sein Vater im Ersten Weltkrieg. Dank der Unterstützung eines engagierten Lehrers meldete seine Mutter ihn für die Mittelstufe an, nach der vierten Klasse Gymnasium musste er dieses allerdings aus finanziellen Gründen verlassen. In seiner Jugend schloss er sich den Pfadfindern, später der Sozialistischen Jugend an. Otto Binder absolvierte eine kaufmännische Lehre in der Firma „Lederer & Wolf“, erlernte anschließend das Schreiben auf der Schreibmaschine und war ab 1928 Obmann der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) Innere Stadt. Schließlich kam er zur Wiener Städtischen Versicherung in eine Niederlassung in Salzburg, wo er von 1931 bis 1934 Obmann der SAJ Salzburg-Stadt war. Als er 1934 unter dem Dollfuß-Schuschnigg-Regime gekündigt wurde, kehrte er gemeinsam mit seiner Partnerin Anna („Anni“) Pusterer wieder nach Wien zurück; drei Jahre später war Otto Binder hauptberuflich für die sozialdemokratische Partei tätig. Im April 1938 wurde er nach Dachau deportiert, im September desselben Jahres nach Buchenwald überstellt. Im April 1939 wurde er dank der Bemühungen des Matteotti-Komitees in Paris entlassen und floh mit seiner Partnerin nach Schweden. Dort konnte das Paar 1944 heiraten. Otto Binder erlernte den Beruf des Drehers und war anschließend für die schwedische Versicherungsgruppe Folksam tätig. 1949 kehrte die mittlerweile vierköpfige Familie nach Wien zurück, wo noch eine weitere Tochter geboren wurde. Otto Binder war zunächst in der Baugenossenschaft, später als Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung tätig. Zudem war er Präsident des Aufsichtsrates der Austrian Airlines sowie Mitglied mehrerer weiterer Aufsichtsräte. Nach seiner Pensionierung nahm er als Zeitzeuge am politischen Leben teil; seine älteste Tochter Margit heiratete den späteren Bundespräsidenten Heinz Fischer. Otto Binder wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Er verstarb am 15. Februar 2005 in Wien.