Geburtsdatum: 13. August 1915 Geburtsort: Wien, Österreich-Ungarn
Stella Semenowsky wurde am 13. August 1915 als Stella Wachtel in eine Wiener jüdische Familie geboren und wuchs gemeinsam mit drei jüngeren Schwestern im 2. Bezirk auf. Ihr Vater betrieb ein Geschäft am Hohen Markt. Nach der Volksschule besuchte sie die Schwarzwaldschule, wo sie auch maturierte. Im Wintersemester 1933/34 begann sie ihr Medizinstudium an der Universität Wien und wurde Mitglied der Organisation Betar. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann, Julian Semenowsky, kennen; das Paar heiratete 1936. Julian Semenowsky konnte sein Studium 1938 noch abschließen und als Zahnarzt tätig werden; Stella Semenowsky musste ihr Medizinstudium nach dem „Anschluss“ 1938 abbrechen. Julian Semenowsky, der ein Mitglied der Heimwehr war, floh bald darauf über die Tschechoslowakei und Griechenland nach Palästina; da das Schiff nicht anlegen durfte, schwamm er in Netanja ans Ufer. Stella Semenowsky konnte mit einem legalen Transport nach Palästina fliehen. Ihre Schwestern emigrierten ebenfalls nach Palästina; ihre Mutter wurde am Weg dorthin nach Mauritius gebracht und konnte erst 1945 einreisen. Der Vater blieb als „U-Boot“ in Wien und überlebte im 2. Bezirk. Bis 1944 arbeitete Stella Semenowsky im Büro der Royal Engineers und engagierte sich zugleich im Untergrund gegen die Briten; beide Tätigkeiten gab sie auf, als sie schwanger wurde. Im Oktober 1944 brachte sie eine Tochter zur Welt. Ihr Vater betrieb nach dem Kriegsende ein Hotel an der Ringstraße und übergab dieses 1947 an seine vier Töchter; daher kehrte Stella Semenowsky gemeinsam mit ihrer Familie in diesem Jahr nach Wien zurück. 1957 verstarb ihr Vater ebenda. Ihre Tochter besuchte die Schule und maturierte in Wien und studierte anschließend an der Wirtschaftsuniversität. Sie heiratete, das Paar bekam drei Kinder und wanderte nach England aus. Stella Semenowsky und ihr Mann besuchten ihre Familie in England und Israel regelmäßig. 1980 erlitt Julian Semenowsky während einer Reise einen Schlaganfall; Stella Semenowsky pflegte ihren Mann bis zu dessen Tod 1988. Später ließ sich ihre Tochter mit ihrer Familie in den USA nieder, wo Stella Semenowsky sie ebenfalls besuchte. Sie lebte in mehreren Wiener Bezirken, bis sie zum Zeitpunkt des Interviews wieder in jener Wohnung wohnte, die ihr Vater nach dem Krieg für sie und ihren Mann ausgesucht hatte.