Nachname, Vorname: Rosenkranz, Erika Franziska Sophie
weitere Nachnamen: geb. Roth; gesch. Mattatia
Geburtsdatum: 14. Februar 1927
Geburtsort: Wien, Österreich
Erika Rosenkranz wurde am 14. Februar 1927 als Erika Franziska Sophie Roth in eine Wiener jüdische Familie geboren und wuchs als Einzelkind auf. Ihr Vater arbeitete als Steuerberater, die Familie lebte im 8. Bezirk. Erika Roth besuchte einen französischsprachigen Kindergarten und anschließend die Volksschule, in dieser Zeit wurde sie Mitglied des jüdischen Sportvereins Hakoah und nahm Schwimm-, Eislauf- und Geigenunterricht. Nach dem „Anschluss“ 1938, Erika Roth besuchte gerade die erste Klasse im Gymnasium, floh der Vater nach Frankreich, wohin auch Erika Roths Großvater kam. Die Mutter zog mit der Tochter aus Angst vor nationalsozialistischen Übergriffen zu ihrer Mutter und ihrem Bruder. Erika Roth musste die Schule wechseln und eine Schule ausschließlich für jüdische Kinder besuchen. Da die Visa aus Frankreich nicht vor Ablauf der Pässe eintrafen, verließen Erika Roth, ihre Mutter, deren Mutter und deren Bruder Wien im Juni 1938 in Richtung Italien. Nach einigen Wochen war die Familie wieder in Frankreich vereint, wo Erika Roth eine Ausbildung zur Frisörin begann. Nach mehreren Umzügen, verschiedenen Gelegenheitsarbeiten und einer mehrtägigen Festhaltung im Lager Gurs 1941 flüchteten die Eltern mit Erika Roth in die Schweiz. Dort wurden sie von Schweizer:innen angezeigt, da sie illegal die Grenze übertreten hatten; die Eltern kamen in verschiedene Lager, Erika Roth bald darauf in ein Heim der Jugend-Alijah. Als sie wieder vereint waren, reiste die Familie im März 1945 wieder nach Frankreich zu ihren Verwandten und adoptierte dort einen verwaisten Neffen. Nachdem sie ihren Schulabschluss nachgeholt hatte, emigrierte Erika Roth 1948 nach Palästina, wenige Tage nach ihrer Ankunft wurde der Staat Israel ausgerufen. In Tel Aviv arbeitete Erika Roth als Frisörin und lernte Benjamin Mattatia kennen, den sie 1951 heiratete; das Paar bekam einen Sohn. Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden wurde Erika Roth von ihrem Arzt nach Europa geschickt. Sie zog mit ihrem Sohn zu ihren Eltern nach Wien in den 4. Bezirk. Ihr Mann, mittlerweile Bankdirektor in Israel, kam nicht mit; das Paar ließ sich scheiden. In Wien lernte Erika Roth bei einem Clubabend der Hakoah ihren zweiten Mann, Kurt Rosenkranz, kennen; das Paar heiratete 1956. Erika Rosenkranz arbeitete als Fremdsprachenkorrespondentin, ihr Mann arbeitete gemeinsam mit seinem Vater in dessen Schuhgeschäft, der Sohn besuchte den Kindergarten. 1959 bekam das Paar eine Tochter. Später arbeitete Erika Rosenkranz bis zu ihrer Pensionierung als Trafikantin. 1989 wurde auf Betreiben von Kurt Rosenkranz das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung gegründet; Erika Rosenkranz unterstützte ihren Mann bei dieser Arbeit. Ihre Lebenserinnerungen publizierte sie in einer Monografie („Und ich fand es herrlich. Erinnerungen einer Vertriebenen“, 2001). Zum Zeitpunkt des Interviews lebte Erika Rosenkranz in Wien.