Geburtsdatum: 18. November 1924 Geburtsort: Wien, Österreich
Herbert Wolfgang Reisner wurde am 18. November 1924 in eine jüdische Familie geboren und wuchs im 8. und 13. Wiener Bezirk gemeinsam mit seiner sieben Jahre jüngeren Schwester zweisprachig (Deutsch, Ungarisch) auf. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium, in dieser Zeit wurde er auch Mitglied der zionistischen Jugendorganisation Betar. Nach dem „Anschluss“ flüchtete die Familie 1938 nach Pressburg (heute Bratislava), da der Vater in der Tschechoslowakei geboren worden war. Nachdem er des dortigen Gymnasiums verwiesen worden war, besuchte Herbert Wolfgang Reisner die jüdische Gewerbeschule und arbeitete anschließend im Architekturbüro der Kultusgemeinde. Als die deutsche Wehrmacht 1944 das Land besetzte, versteckte sich die Familie sieben Monate lang in einem selbstgebauten Verschlag unter dem Geschäft des Vaters, nachdem dieses „arisiert“ worden war. Der neue Geschäftsführer versorgte die Familie in dieser Zeit mit Nahrungsmitteln. Gegen Ende des Krieges lebte auch noch eine Schwester des Vaters bei ihnen im Versteck. Nach dem Krieg trat der neue Geschäftsführer von seinem Posten zurück und übergab das Geschäft wieder an den Vater – die beiden Männer teilten sich fortan die Leitung, bis Herbert Wolfgang Reisners Eltern nach einigen Jahren nach Israel zogen. Seine Schwester heiratete und emigrierte mit ihrem Mann nach Palästina/Israel. Herbert Wolfgang Reisner kehrte nach Wien zurück, wo er bei einer christlichen Tante lebte. Er besuchte zuerst einen Übergangskurs, studierte anschließend an der Technischen Hochschule und engagierte sich in der Jüdischen Hochschülerschaft. Nach einigen Semestern brach er das Studium ab und begann, an der Staatsoper zu arbeiten. Später war er für ein Bohrmaschinengeschäft tätig und schließlich für fast 30 Jahre in einem Reisebüro. 1964 heiratete er Edith Broz, eine Nicht-Jüdin, die eine kleine Tochter in die Ehe mitbrachte. 1989 ging Herbert Wolfgang Reisner in Pension und begann, die Zeitung „Heruth“ herauszugeben. Zum Zeitpunkt des Interviews lebte er in Wien.