Todesdatum: 8. April 2022 Todesort: Herzlia, Israel
Mimi Reinhard wurde am 15. Jänner 1915 als Carmen Koppel geboren und wuchs als Einzelkind einer religiösen jüdischen Familie in Wiener Neustadt auf. Nach ihrem Abschluss studierte sie drei Semester an der Universität Wien, wo sie ihren ersten Ehemann kennenlernte, der ursprünglich aus Polen stammte. 1936 zog das Paar gemeinsam nach Polen. Nachdem die deutsche Wehrmacht das Land besetzt hatte, trug sie die gelbe Dienstmarke nicht und benutzte bei Zugreisen weiterhin die deutschen Waggons. Daraufhin wurde sie eines Tages von der Gestapo inhaftiert und dann in das Konzentrationslager Płaszów geschickt. Dort traf sie auf Oskar Schindler, der sie aufgrund ihrer Stenografiekenntnisse als seine Sekretärin anstellte. Als die Nationalsozialist:innen immer mehr Menschen aus Płaszów nach Auschwitz schickten, beauftragte Schindler Mimi Reinhard, eine Liste aller Juden und Jüdinnen zu erstellen, die stattdessen in seine Fabrik in Brünnlitz (heute Brněnec) transportiert werden sollten. Obwohl Mimi Reinhard selbst auf der Liste stand, wurde sie nach Auschwitz geschickt. Nach zwei Wochen gelang es Schindler, seine jüdischen Arbeiter:innen nach Brünnlitz zu schicken. Mimi Reinhard arbeitete noch einige Monate in Schindlers Fabrik, bis sie von den Sowjets befreit wurde. Nach dem Krieg traf sie Schindler zufällig wieder in Wien. Vor dem Krieg hatte sie ein Baby geboren; ihrer Schwiegermutter war es gelungen, dank gefälschter Dokumente mit dem Baby über die Berge nach Budapest zu fliehen. Dort hatten die beiden den Holocaust überlebt. Nach ihrer Befreiung reiste Mimi Reinhard über Jugoslawien und Italien nach Marokko, wo sie ihren zweiten Ehemann kennenlernte. Gemeinsam zogen sie Ende der 1950er-Jahre nach New York. Als Mimi Reinhard bereits über 90 Jahre alt war und ihr zweiter Ehemann starb, zog sie zu ihrem Sohn nach Israel. Mimi Reinhard verstarb am 8. April 2022 in Herzlia, Israel.