Todesdatum: 22. September 2006 Todesort: Wien, Österreich
Gertrude Mechner wurde am 6. Jänner 1914 als Gertrude Therese Samek in eine Wiener jüdische Familie geboren und wuchs mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder im 8. Bezirk auf. Sie erhielt als Kind Klavierunterricht und besuchte oft ihre Verwandten in Innsbruck. Die Familie ging regelmäßig in die Synagoge in der Neudeggergasse, die Eltern betrieben ein Geschäft. Mit 15 Jahren verließ Gertrude Samek das Gymnasium und lernte in Innsbruck das Tapeziererhandwerk. Als Gesellin besuchte sie in Frankfurt eine Fachschule für Tapezierer. Die Meisterprüfung konnte sie dort nach einem Jahr nicht ablegen, da sie noch nicht volljährig war. So kam sie wieder nach Wien zurück, wurde Mitglied der zionistischen Gruppe Miriam und arbeitete in dem Geschäft der Eltern. 1935 konnte sie ihre Meisterprüfung als Tapeziererin ablegen – als erste Frau in Österreich. In dieser Zeit lernte sie Kurt Mechner kennen, einen Wiener Juden und Elektroingenieur. Das Paar heiratete nach dem „Anschluss“ 1938 in der Synagoge in der Neudeggergasse. Da Gertrude Mechners Schwester mit ihrem Mann bereits 1933 nach Palästina ausgewandert war und in Haifa lebte, beschloss das Paar, ebenfalls zu emigrieren. Gertrude Mechners Bruder floh mit 18 Jahren, nachdem er des Gymnasiums verwiesen worden war, von Innsbruck über die Alpen in die Schweiz und von dort schließlich in die USA. Gertrude Mechner und ihrem Mann gelang es, ihre Eltern und weitere Verwandte nach ihrer Ankunft ebenfalls zur Auswanderung nach Palästina zu überzeugen. In Haifa eröffnete Gertrude Mechner ein Geschäft als Tapeziererin, ihr Mann betrieb einen Elektrohandel und später ein Café, in dem viele Migrant:innen einkehrten, unter anderem Gerhard Bronner. 1943 bekam das Paar eine Tochter. Gertrude Mechners Bruder, der mittlerweile eine Fliegerausbildung absolviert hatte, als Flieger gekämpft und einen Absturz überlebt hatte, kam ebenfalls zur Familie nach Haifa. 1957 kehrte Gertrude Mechner mit ihrer Familie zurück nach Wien. Dort arbeitete sie als Abteilungsleiterin der Firma Herrnhuter, ihr Mann war als Filialleiter einer amerikanischen Firma tätig, ihre Tochter besuchte die Schule, maturierte und arbeitete später bei IBM (International Business Machines Corporation) in Tel Aviv. 1982 verstarb Kurt Mechner. Gertrude Mechner blieb in Wien und besuchte regelmäßig ihre Familie in Israel. Sie verstarb am 22. September 2006 in Wien.