Herbert Lewin wurde 1917 in Osterode in Preußen (heute Ostróda, Polen) in eine jüdische Familie geboren und wuchs gemeinsam mit einem Bruder auf. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium und danach die Handelsschule, bis ihm dies nach der Machtergreifung der Nationalsozialist:innen verboten wurde. Der Vater musste seinen Laden verpachten, der Betrag lag weit unter dem Wert. Herbert Lewin begann eine Lehre zum Bäcker und wurde Mitglied einer zionistischen Jugendorganisation. Im Rahmen seiner Hachschara arbeitete er bei verschiedenen Landwirten, wurde allerdings regelmäßig wegen antisemitischer Gesetze gekündigt, bis er schließlich 1937 wieder nach Osterode kam. Dort besorgte sein Vater ihm einen Pass. Im gleichen Jahr konnte sein Bruder nach England, Herbert Lewin nach Jugoslawien auswandern. Seinem Bruder gelang es 1939, britische Permits für die Eltern besorgen. So konnten auch sie vor dem nationalsozialistischen Regime fliehen; die Eltern verstarben beide noch in den 1940ern in England. Herbert Lewin arbeitete zwei Jahre lang in Jugoslawien wieder im Rahmen der Hachschara in der Landwirtschaft. Anschließend schloss er sich einem illegalen Transport nach Palästina an; dessen Mitglieder wurden nachts von der Haganah empfangen. In Palästina lebte er zuerst in einem Kibbuz, später in Kiryat Haim, ab 1948 war er für die israelische Armee tätig. Während seiner Zeit in Kirat Motzkin lernte er Gertrude Holzhacker, eine gebürtige Wienerin und seine spätere Frau, kennen; das Paar heiratete 1948. Zwei Jahre später wurde Herbert Lewin aus dem Militär entlassen und arbeitete für mehrere Jahre als Schiffskoch. 1955 ließ sich das Paar in Wien nieder. In Österreich wurde Herbert Lewin über mehrere Jahre die Staatsbürgerschaft nicht anerkannt; mithilfe der Israelitischen Kultusgemeinde, seines Vorgesetzten und eines Anwalts erhielt er diese schließlich. Herbert Lewin war in der gewerblichen Warenüberprüfung tätig und später bei einer Spedition, seine Frau arbeitete als Bedienerin und Telefonistin. Sie verstarb im März 2001. Zum Zeitpunkt des Interviews lebte Herbert Lewin in Wien.