Nachname, Vorname: Landesmann, Edith
weitere Nachnamen: geb. Stiassny
Geburtsdatum: 5. Jänner 1926
Geburtsort: Brünn, Tschechoslowakei (heute Brno, Tschechien)
Edith Landesmann wurde am 5. Jänner 1926 als Edith Stiassny in Brünn (Brno) in eine jüdische Familie geboren. Sie wuchs gemeinsam mit einem großen Bruder auf. Der Vater arbeitete in höheren Positionen in einer Textilfirma, die Mutter als Stickerin. Ab 1932 betrieb die Mutter ein eigenes Geschäft für Damenmode; die Familie beschäftigte ein Kindermädchen. Edith Stiassny und ihr Bruder besuchten eine jüdische Schule, die Geschwister waren Mitglieder des Turnvereins Maccabi und der Jugendorganisation Maccabi Hatzair. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 beschlossen die Eltern, ihren 15-jährigen Sohn auf eine Schule in Palästina zu schicken; nach mehreren Anläufen gelang die Ausreise. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939 wurde das Geschäft der Mutter „arisiert“ und der Vater, mittlerweile Direktor der Firma, gekündigt. Als der Vater ein Jobangebot aus Palästina erhielt, verließen auch die Eltern mit Edith Stiassny das Land in Richtung Palästina, wo sie eine Woche vor Kriegsausbruch ankamen. Edith Stiassny, die sich nun Esther Meuschar nannte, lernte die neue Sprache und besuchte in den nächsten Jahren ein Gymnasium und anschließend eine Modeschule. Sie war Mitglied der sozialistischen Jugendbewegung bzw. des Jugendbundes Gordonia. Gegen den Willen ihrer Eltern zog Edith Stiassny mit 15 Jahren in den Kibbuz Ramat-David, wo sie sich auch der Haganah anschloss. Nach einem Jahr kehrte sie wieder zurück nach Ramat Gan und arbeitete bei einer Schneiderin. Währenddessen lernte sie Robert Meir Landesmann, genannt Bobby, kennen, der ein Freund ihres Bruders war. Mit 18 Jahren wurde sie Mitglied der Kommunistischen Partei, 1946 heiratete sie Robert Landesmann. Über Paris fuhr das Paar anschließend nach Rio de Janeiro, wohin Robert Landesmanns Eltern geflohen waren. Im Mai 1947 kehrte das Paar über Paris, Prag, Teplitz (Teplice) und Brünn (Brno) wieder nach Palästina zurück. Dort engagierten sich beide wieder in der Haganah und waren im Krieg 1948 aktiv. Währenddessen kam der erste Sohn des Paares zur Welt. Nach einigen Monaten in Israel zog das Paar nach Zürich und wenige Monate später wieder nach Rio de Janeiro, wo der zweite Sohn geboren wurde. Von dort zog Edith Landesmann mit den beiden Söhnen wieder nach Israel, bis die Familie 1953 gemeinsam in Wien wohnen konnte; Robert Landesmann hatte dort einen Job als Fluggesellschaftsvertreter erhalten. Die Familie führte ein sehr mobiles und internationales Leben; regelmäßig wurde die Verwandtschaft in Israel und Rio de Janeiro besucht, zudem erhielt Robert Landesmann immer wieder Freiflüge und so konnte die Familie viel reisen. Edith Landesmann eröffnete gemeinsam mit einer Jugendfreundin eine Miederfabrik in Wien, die Söhne besuchten die Schule und den Haschomer Hatzair. Nachdem die Söhne maturiert hatten und studierten, begann Edith Landesmann als Reiseleiterin zu arbeiten. Zudem engagierte sie sich in der Women’s International Zionist Organisation (WIZO), wurde deren Repräsentantin in der UNO, später Vorsitzende und schließlich deren Präsidentin (1984–1998).