Geburtsdatum: 18. September 1920 Geburtsort: Wien, Östereich
Richard Kohn wurde am 18. September 1920 in eine Wiener jüdische Familie geboren. Seine Mutter arbeitete als Näherin, sein Vater als Schlosser. Fünf Jahre später wurde Richard Kohns jüngere Schwester geboren. Jeden Sommer verbrachte die Mutter mit den Kindern mehrere Monate im Waldviertel. In seiner Jugend wurde Richard Kohn wie sein Vater zuerst Mitglied der Sozialdemokratischen, nach dem Februar 1934 der Kommunistischen Partei. 1935 bekamen die Eltern noch einen weiteren Sohn. Nach der Schule absolvierte Richard Kohn eine Schlosserlehre bei seinem Vater, zusätzlich lernte er an der Berufsschule Stenografie und Buchhaltung. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde die Familie aus ihrer Wohnung vertrieben und musste in eine kleine Kellerwohnung im 19. Bezirk ziehen, wo sie gemeinsam mit weiteren Verwandten lebte. Während der Novemberpogrome wurden Richard Kohn und sein Vater von SS-Männern abgeholt und für mehrere Tage festgehalten. Danach bereitete sich Richard Kohn auf seine Ausreise nach Palästina vor. Während seiner Hachschara in Fischamend im März 1939 wurde er festgenommen; anschließend wurde er als Zwangsarbeiter in ein Lager in Polen deportiert. Von dort gelang ihm gemeinsam mit einem deutschen politischen Gefangenen die Flucht in die Sowjetunion. Dort gelangten die beiden mit Unterstützung der ansässigen Bewohner:innen nach Lemberg, wo Richard Kohn seinen Onkel wiedertraf. Richard Kohn fand eine Anstellung als Stallknecht und versteckte sich vor dem NKWD, da er illegal über die Grenze gekommen war. Später konnte er bei einem Schmied lernen und dank eines Kunden erhielt er eine offizielle Aufenthaltsgenehmigung. Als die Deutsche Armee 1941 Lemberg besetzte, floh Richard Kohn erneut. Über mehrere Aufenthalte, Verstecke und Transporte gelangte er schließlich nach Kasachstan, wo er wieder als Schmiedgehilfe arbeitete, bis er nach Karaganda transportiert und dort als Zwangsarbeiter unter Tage bzw. in einer Kohlegrube eingesetzt wurde. Dort lernte er auch seine spätere Frau, Bronislava „Bella“ Tischler, ebenfalls eine Jüdin, kennen. Im März 1946 verlor Richard Kohn bei der Arbeit einen Fuß. Nach seiner Genesung heiratete das Paar und bekam zwei Töchter. 1952 versuchte Richard Kohn wegen des erstarkenden Antisemitismus, Ausreisegenehmigungen nach Österreich für sich und seine Familie zu bekommen; nachdem diese nicht zugelassen wurden, nahm er die sowjetische Staatsbürgerschaft an und wurde Leiter des örtlichen kommunistischen Kulturclubs. Nach einigen Jahren wurde er zum Leiter von knapp 30 Lichtspieltheatern befördert. Diese Funktion übte er bis zu seiner Pensionierung aus; seine Frau erhielt eine Stellung als Verkäuferin in einem Lebensmittelladen. 1984 konnte Richard Kohn gemeinsam mit seiner Frau auf Einladung eines Freundes das erste Mal wieder nach Österreich reisen, wo er Wien, Linz und das Waldviertel besuchte. Nach der Wende, Anfang der 1990er, beschloss die Familie, nach Israel auszuwandern. Auch dort bemühte sich Richard Kohn um Anerkennung seiner österreichischen Staatsbürgerschaft und wollte nach Wien; nach mehreren Jahren und mit Unterstützung einer österreichischen evangelischen Lektorin und ESRA gelang dies schließlich: Richard Kohn konnte mit seiner Frau nach Wien ziehen und wurde wieder österreichischer Staatsbürger. Wenige Monate darauf verstarb seine Frau. Auch eine der beiden Töchter zog mit ihrer Familie nach Wien, die andere Tochter zog mit ihrer Familie nach Israel.