Nachname, Vorname: Fischer, Hannah
Geburtsdatum: 27. September 1925
Geburtsort: Wien, Österreich
Todesdatum: 28. September 2016
Todesort: Wien, Österreich
Hannah Fischer wurde am 27. September 1925 gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Rafael (später Rafael Erwin) in eine Wiener jüdische Familie geboren. Der Vater Béla war Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien, die Mutter Louise war Journalistin und arbeitete für eine kommunistische Zeitung. Nach der Geburt der Zwillinge trennten sich die Eltern temporär; nach einigen Jahren kehrte die Mutter mit den beiden Kindern zurück nach Wien, die Familie wohnte zuerst im 19., später im 13. Bezirk. Unter dem Dollfuß-Schuschnigg-Regime wurde die Mutter, die die Zeitschrift „Die Rote Dreizehn“ herausgab, während einer Hausdurchsuchung verhaftet und mehrere Monate festgehalten. Hannah Fischer besuchte nach der Volksschule das Chajes-Gymnasium. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde der Vater verhaftet, in der Karajangasse festgehalten und mit dem „Prominenten-Transport“ nach Dachau deportiert, später wurde er nach Buchenwald überstellt. Der Mutter gelang es, für die Zwillinge und sich selbst Ausreisepapiere zu besorgen; zudem konnte sie ein Permit für ihren Mann bei der britischen Botschaft hinterlegen. Als er im Sommer 1939 wieder entlassen wurde, konnte er jedoch das Permit nicht mehr abholen; ihm gelang schließlich die illegale Flucht nach Palästina. Da die Mutter in England arbeiten musste, lebten die Zwillinge zuerst gemeinsam, später getrennt bei Gastfamilien und in Heimen. 1941 schloss Hannah Fischer die Schule mit einem Cambridge School Certificate ab und begann, bei Anna Freud, Tochter des Psychoanalytikers Sigmund Freud, zu arbeiten und lernen. Nach einer zweijährigen Ausbildung wechselte sie in den Kindergarten des Austrian Centre, wo sie als Kindergärtnerin tätig war. Nach dem Ende des Krieges fanden die Eltern einander wieder und lebten gemeinsam in Palästina. Rafael Erwin Fischer arbeitete als Ingenieur und später in höheren Positionen verschiedener Firmen, er heiratete mehrfach und wanderte schließlich in die USA aus. Hannah Fischer kehrte im September 1946 wieder nach Wien zurück und trat der KPÖ bei, deren Mitglied sie bis 1968 war; danach wurde sie Mitglied der SPÖ. Nachdem sie in kurzer Zeit die Abschlussprüfung des Wiener Jugendamtes erfolgreich absolviert hatte, wurde sie 1947 von der Stadt Wien als Kindergärtnerin angestellt. Zudem studierte sie an der Universität Wien Pädagogik, Psychologie, Philosophie und Englisch und promovierte 1952, anschließend begann sie zusätzlich ein Medizinstudium. Sie arbeitete zehn Jahre als Kindergärtnerin und war anschließend als Psychologin für das Zentralkinderheim in Wien tätig. Anfang der 1960er adoptierte sie einen Jungen. Ab 1967 unterrichtete sie in der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen Pädagogik und Englisch, ab 1984 war sie Direktorin dieser Anstalt (heute bakip21). Hannah Fischer war Mitglied der IKG und engagierte sich ab 1986 in einem Ausbildungsprojekt für Kindergärtnerinnen in einem Flüchtlingslager in der Westsahara. Ab 2002 trat Hannah Fischer auch als Zeitzeugin auf, zudem war sie in der Exilforschung aktiv. Für ihre Arbeit erhielt sie diverse Auszeichnungen, unter anderem die Otto-Glöckel-Medaille, die Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung und den Berufstitel Hofrätin. Hannah Fischer verstarb am 28. September 2016 in Wien.