Repräsentationen "der Muslimin" im deutschsprachigen Film. Autor: Medina Velic Verlag: transcript Projektcode: P23-5125
Information zum Projekt
Politisierte Bilder. Repräsentationen ´der Muslimin´ im deutschsprachigen Film (Publikation im transcript Verlag)
Publication of the Dissertation: ´Politicized Images. Representations of 'Muslim Women' in German and Austrian Films´
Die Dissertationsschrift stellt einen innovativen, kulturanalytischen Beitrag in der Kulturanthropologie dar, zumal sie die Alltagspraxis der Filmsichtung mit der historisch-gesellschaftlichen Repräsentationsgenese einer marginalisierten Menschengruppe verknüpft. Spätestens seit dem Aufkommen von Online-Streamingdiensten gestalten Filme das Alltagsverhalten von Menschen und spielen damit eine große Rolle in der Rezeption und Deutung gesellschaftlicher Prozesse. Daher werden sie als historische Quellen betrachtet und als ideologische Bedeutungsvehikel analysiert.
Während sich das US-amerikanische Kino seit seinen Anfängen orientalisierender und rassifizierender Markierungen bediente, fand die filmische Thematisierung ‚des Islam‘ und ‚der MuslimInnen‘ im mitteleuropäischen Kontext erst ab Ende des 20. Jahrhunderts statt. Verstärkt werden die Repräsentationen ‚der MuslimInnen‘ durch historische Figurationen, die seit dem Mittelalter, über die Zeit des europäischen Kolonialismus, der beiden Weltkriege sowie der Nachkriegszeit zum Repertoire des kulturellen Gedächtnisses gehören und im Rahmen rezenter, globaler Migrationsbewegungen in transformierten Versionen zu beobachten sind. So wundert nicht, dass die meisten deutschsprachigen Filme, die das ‚muslimisch-migrantische Andere‘ thematisieren, nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 entstanden sind. Dieses Datum ohne Geschichte tritt hinsichtlich der Frage nach dem europäischen Selbstverständnis als der Beginn eines neuen historischen Kapitels in Erscheinung und fungiert als verändernder und rassifizierender Grenzmarker zwischen einer ‚aufgeklärten Wertegemeinschaft‘ und dem Rest.