Der Libretist Ludwig Herzer Autor: Andrea Elisabeth Pilz Verlag: Armin Berg Verlag Projektcode: P19-3643
Information zum Projekt
Der Nachlass des Librettisten Ludwig Herzer (Publikation, Ausstellung, Digitalisierung der Dokumente)
The documents of Ludwig Herzer, libretist and author
Ludwig Herzer stammte aus einer bürgerlichen Wiener jüdischen Familie: Sein Vater Heinrich Herczel war Bankangestellter, seine Mutter Cäcilie, geb. Königsberger war die Tochter eines Wiener Handelsmannes. Sie hatten vier Kinder, alle musikalisch sehr begabt.
Ludwig Herzers Leben war von zwei Leidenschaften geprägt: Schreiben und Medizin. 1899 schloss er sein Medizinstudium ab, wurde Facharzt für Gynäkologie und publizierte in diversen Fachzeitschriften, angeregt durch seinen Vorgesetzten Univ. Prof. Dr. Gustav Lott. Bald wandte sich Herzer auch Texten anderer Art zu: er schrieb Theaterstücke, Lustspiele und Libretti.
Die Libretti schrieb er oft gemeinsam mit Oscar Friedmann (seinem Schwager) zur Musik des Komponisten Maximilian. Hinter diesem Pseudonym versteckt sich niemand anderer als Herzers Bruder Maximilian. Auch für Edmund Eysler schrieb Herzer Libretti, ebenso für Bruno Granichstaedten und Robert Stolz. Seinen Durchbruch erlebte er mit Fritz Löhner mit den Libretti zu den Lehár-Operetten Friederike, „Das Land des Lächelns“ und „Schön ist die Welt“. Gemeinsam mit Erich Wolfgang Korngold bearbeitete Herzer Johann Strauß‘ Operette „Cagliostro in Wien“.
1938 musste Ludwig Herzer gemeinsam mit seiner Frau Ella, die Konzertpianistin war, seiner Tochter Henny und seinen Schwestern Österreich verlassen und in die Schweiz flüchten – illegal, wie auf den Schweizer Papieren vermerkt ist. Am 17. April 1939 starb Ludwig Herzer in St. Gallen, seiner Tochter gelang es nach Shanghai zu flüchten, seine Frau Ella ging über Wien nach Ungarn zu ihrer Familie, wo sie 1944 verhaftet und deportiert wurde. Sie überlebte und folgte ihrer Tochter, die nach dem Krieg nach Australien gegangen war.
www.forschungsinstitut-operette.at
Projektverantwortliche
Arnbom Marie-Theres Dr. - Forschungsinstitut für Operette und Unterhaltungsliteratur