Sterben für Gott - Töten für Gott? Religion, Martyrium und Gewalt (Publikation)
Dying for God - Killing for God? Religion, Martyrdom and Violence (publication)
Für die Zukunft Europas ist die Frage der friedlichen Koexistenz der Religionen und Kulturen von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund stellen die Gräueltaten des Islamischen Staats und Boku Harams ebenso wie die Anschläge in Paris und Kopenhagen eine große Herausforderung dar, da sie die seit dem 11. September 2001 virulente Frage nach dem inneren Zusammenhang von Religion und Gewalt erneut aufbrechen ließen. In der öffentlichen Debatte über den gewaltbereiten Islamismus werden Dschihadisten immer wieder als Märtyrer bezeichnet, die dann, wenn sie im 'Gotteskrieg' den Tod erleiden, postmortale Gratifikationen in überschwänglicher Fülle erwarten dürfen. Allerdings stellt das Morden im Namen Gottes eine Perversion des Gottesnamens dar, zumal gerade die unschuldigen Opfer des Terrors häufig Märtyrer sind, da sie ihre religiösen Überzeugungen auch unter Todesandrohung nicht zur Disposition stellen.
In dem Projekt soll das Thema 'Religion, Martyrium und Gewalt' aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven beleuchtet werden (Geschichte, Christliche Theologie, Islamische Theologie bzw. Islamwissenschaft, Religionswissenschaft, Exegese, Soziologie). Dabei wird die Geschichte des Begriffs 'Martyrium' bzw. 'Märtyrer' in Islam und Christentum genauer in den Blick genommen. Die Semantik der Gewaltlosigkeit, die dem Begriff im jüdisch-christlichen Kontext eingeschrieben ist, soll korrektivisch zur Geltung gebracht werden.
Projektverantwortliche
Tück Jan-Heiner Univ.-Prof.Dr. - Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien, Institut für Systematische Theologie